Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen

Sterbehilfe

Die Angst vor qualvollem Sterben einerseits und der Wunsch nach einem menschenwürdigen Ende des Lebens ndererseits bilden die Hauptmotive für den immer wieder geäußerten Wunsch nach Sterbehilfe.

Nach einer Befragung des Allensbach- Instituts aus dem Jahr 2001 wollen 70 Prozent der Deutschen, dass die aktive Sterbehilfe straffrei gestellt wird. Die Deutsche Hospizstiftung auf der anderen Seite hat in einer eigenen Untersuchung festgestellt, dass der Anteil der terbehilfe-Befürworter auf 35 Prozent sinkt, wenn Schmerzen und andere eschwerden wie Atemnot oder Übelkeit in der letzten Lebensphase wirksam behandelt werden. Die Einstellung zur Sterbehilfe ann sich in Abhängigkeit von den konkreten Bedingungen am Ende des Lebens also ändern. Was aber ist Sterbehilfe eigentlich genau?

Passive, aktive und indirekte Sterbehilfe

Als passive Sterbehilfe wird im Allgemeinen
die Unterlassung von lebensverlängernden Maßnahmen bezeichnet. Der Verzicht auf die künstliche Beatmung oder auf die Blutwäsche, die Nicht-Behandlung einer Lungenentzündung oder die Einstellung der künstlichen Ernährung: In all diesen Situationen tritt der Tod ein, weil Ärzte und Pflegepersonal abgewartet haben, ohne etwas zu tun. Diese passive Sterbehilfe beim todkranken Patienten ist in Deutschland dann nicht strafbar, wenn sie dem Wunsch des Patienten entspricht.

Davon abzugrenzen ist die aktive Sterbehilfe. Sie bedeutet das aktive Herbeiführen des Todes, beispielsweise durch eine Überdosis an Narkose- oder chmerz- und Beruhigungsmitteln.
Die aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten und wird als „Totschlag auf Verlangen“ nach § 216 des Strafgesetzbuches mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Wenn Ärzte die Verkürzung des Lebens wegen einer irksamen chmerzbehandlung in Kauf nehmen, leisten sie indirekte Sterbehilfe. Der Tod des atienten ist in diesem Fall sozusagen die Nebenwirkung einer Behandlung, die rsprünglich der Verbesserung der ebensqualität diente. Diese Form der Sterbehilfe ist so gut wie nie strafbar.

Assistierter Suizid

Eine weitere Art der Sterbehilfe ist die Beihilfe zum Selbstmord, auch assistierter Suizid genannt. Der Patient setzt seinem Leben selbst ein Ende, und zwar mit einem tödlich wirkenden Medikament, das ihm zuvor ein Arzt besorgt und bereitgestellt hat. Der Patient ist Handelnder, er behält die komplette Kontrolle bis zum Schluss. Damit jede Beeinflussung ausgeschlossen ist, bleibt der Beschaffer des Medikaments in Deutschland im Zweifelsfall nur dann straffrei, wenn er nach der Bereitstellung den Raum verlässt.

Selbstbestimmung oder Dammbruch?

Die genaue Abgrenzung der einzelnen Sterbehilfe-Formen ist sehr schwierig: Die indirekte Sterbehilfe sollte im Rahmen einer sorgfältig dosierten Schmerztherapie eigentlich nicht vorkommen. Wer wissentlich mehr Schmerzmittel verabreicht als nötig, leistet unter Umständen bereits aktive Sterbehilfe. Passive Sterbehilfe beinhaltet immer auch einen aktiven Vorgang:
Irgendjemand muss die Beatmungsmaschine
ausstellen oder die Ernährungs-Infusion abhängen. Die eigentliche Diskussion dreht sich deshalb meist um die aktive Sterbehilfe. Befürworter geben unter anderem zu bedenken, dass eine tödlich wirkende Spritze humaner sei als ein ahrungsentzug, der erst nach mehreren Tagen zum Tod führt. Kritiker der aktiven Sterbehilfe warnen eindringlich vor einer Aufweichung des Tötungsverbotes. Wenn die Tötung eines Menschen durch einen anderen erst einmal legalisiert worden sei, käme es zu einem Dammbruch: Die Kriterien zur Durchführung aktiver Sterbehilfe würden im Lauf der Zeit verwässern. Zudem könnte aus dem Recht auf ein menschenwürdiges Sterben gesellschaftlich für Schwerstkranke geradezu eine Pflicht zum vorzeitigen Sterben werden, sei es um Angehörigen „nicht mehr zur Last zu fallen“ oder um dem Gesundheitssystem Kosten zu ersparen.

Dokumentation des Patientenwillens

Einig sind sich Befürworter und Kritiker
der Sterbehilfe darin, dass die Selbstbestimmung von Patienten verbesserungswürdig ist. In so genannten Patientenverfügungen kann man zwar schon heute festlegen, welche Behandlung man im letzten Lebensabschnitt wünscht und welche nicht; allerdings ist die rechtliche Verbindlichkeit dieser Dokumente bisher nicht eindeutig geklärt. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird für die laufende Legislaturperiode erwartet.

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