Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen

Erben und Vererben

Die „letzten Dinge“ zu regeln – dazu werden wir alle immer wieder aufgerufen, manchmal sogar ermahnt, aber es fällt nicht leicht, über den eigenen Tod hinaus zu denken. Andererseits verspüren Krebspatienten nicht selten ein Bedürfnis, zur Absicherung ihrer Angehörigen möglichst Vieles zu regeln.

Gesetzliche Erbfolge
Wenn ein Verstorbener kein Testament hinterlassen hat, tritt die sogenannte gesetzliche Erbfolge ein, die im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt ist. Das Vermögen wird danach an diejenigen vererbt, die dem Verstorbenen am nächsten stehen: dem Ehegatten oder Partner in eingetragener Lebenspartnerschaft, den leiblichen wie adoptierten Kindern und Personen, mit denen der Erblasser gemeinsame Vorfahren hatte. Von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen sind dagegen Verschwägerte wie Schwiegermutter oder Schwiegersohn, Stiefvater oder die angeheiratete Tante.

Erstberechtigte Erben – das Gesetz spricht von Erben erster Ordnung – sind leibliche beziehungsweise Adoptiv- und Kindeskinder. Erben zweiter Ordnung sind die Eltern, Geschwister sowie Nichten und Neffen. Der Ehepartner des Erblassers nimmt eine Sonderstellung ein. Partnerinnen und Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sind erb - rechtlich den Ehepartnern gleichgestellt.

Was erbt der Ehepartner?
Sind Erben erster Ordnung (also leibliche oder adoptierte Kinder) vorhanden, so erbt der Ehepartner ein Viertel des Nachlasses. War der Ehepartner mit dem Erblasser im gesetzlichen Güterstand (Zugewinngemeinschaft) verheiratet, so erhöht sich die Erbquote um ein weiteres Viertel.

Beispiel: Herr Maier hat mit seiner (nach gesetzlichem Güterstand mit ihm verheirateten) Frau zwei Kinder. Frau Maier erbt ein Viertel als Ehepartnerin und ein Viertel aufgrund der Zugewinngemeinschaft. Die andere Hälfte des Nachlasses teilen sich die Kinder. Hätten Herr und Frau Maier keine Kinder, so wäre Frau Maier nicht nur zu einem Viertel, sondern zur Hälfte erbberechtigt. Zusätzlich erhielte sie ein Viertel aufgrund der Zugewinngemeinschaft. Das verbliebene Viertel würden sich die Erben zweiter Ordnung, sprich Eltern, Geschwister sowie Nichten und Neffen des Erb - lassers teilen.

Gesetzlicher Pflichtteil
Wer mit der Verteilung seines Nachlasses nach dem Gesetz nicht einverstanden ist, der muss eine letztwillige Verfügung, also ein Testament verfassen oder einen Erbvertrag abschließen. Allerdings lassen sich auch mit einem Testament gesetzlich Erbberechtigte erster Ordnung sowie Ehepartner so gut wie nie komplett enterben. Der Gesetzgeber sichert dieser Gruppe wegen ihrer engen persönlichen Bindung an den Erblasser einen sogenannten gesetzlichen Pflichtteil zu. Dieser Pflichtteil beträgt die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.

Testament – das können Sie regeln
Es ist immer sinnvoll, in einem Testament einen Ersatzerben zu benennen, falls der testamentarisch festgelegte Erbe vor dem Erblasser stirbt und keine Zeit mehr ist, ein neues Testament zu verfassen. Wenn Sie ganz konkrete Gegenstände einer bestimmten Person vermachen wollen, können Sie im Testament ein sogenanntes Vermächtnis anordnen. Die Erben sind damit verpflichtet, diesen Gegenstand aus dem Nachlass an den Begünstigten weiterzugeben.

Ein Testament kann man handschriftlich selbst verfassen, mit dem Datum der Erstellung versehen und mit vollem Namen unterschreiben. Wer sicher gehen will, bei der Abfassung seines letzten Willens keinen Fehler zu machen, sollte dies mit Hilfe eines Notars tun. Die Gebühren sind abhängig vom Wert des Vermögens und beginnen bei etwa 40 Euro für Vermögen bis 5.000 Euro.

Sein Testament kann man – um die spätere Auffindung zu garantieren – beim Testamentsregister für Deutschland hinterlegen. Das Register erhebt eine einmalige Gebühr in Höhe von 15 Euro.

Stand: Oktober 2014

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