Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen

Hilfe für Kinder krebskranker Eltern

Angst und Bedrohung offen ansprechen

Die Diagnose Krebs stellt alles Bisherige infrage, und das nicht nur für die Patientin oder den Patienten selbst, sondern auch für die Angehörigen. Ganz besondere Unterstützung benötigen offenbar Kinder von Krebspatienten. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des zuletzt erschienenen Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung.

Auf Grundlage der dort dokumentierten Zahlen schätzen Psychoonkologen, dass derzeit jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Kinder und Jugendliche psychisch krank werden, weil ihre Eltern an Krebs leiden. Weitere 80.000 bis 90.000 werden zwar nicht krank, entwickeln aber eindeutige Verhaltensauffälligkeiten.

Auf die bei einem Elternteil gestellte Diagnose reagieren kleinere Kinder beispielsweise häufig mit verändertem Spielverhalten. Sechs- bis Zehnjährige werden in der Schule plötzlich schlechter. Scheinbar ohne Grund ziehen sich viele betroffene Kinder von Freunden zurück oder gehen innerlich auch auf Distanz zur eigenen Familie. Speziell bei Jugendlichen fällt eine zunehmende Aggressionsneigung auf.

Zu diesen Ergebnissen kommt der Wiesbadener Sozialmediziner Gerhard Trabert, der in den Jahren 2001 bis 2005 betroffene Familien systematisch befragt hat.

Angst und Bedrohung offen ansprechen
Durch die Krankheit des normalerweise „starken“ Familienmitglieds verändern sich die scheinbar festgefügten Rollen in der Familie, und diese Veränderung führt zu enormer Verunsicherung. Aus ihrer Beratungspraxis wissen Psycho-Onkologen, dass es vor allem folgende Fragen sind, die sich Kinder in solchen Situation sehr häufig stellen:

  • Bin ich schuld an der Erkrankung?
  • Wer kümmert sich künftig um mich, wenn Papa oder Mama es nicht mehr kann?
  • Ist diese Krankheit ansteckend?
  • Wird Mama oder Papa wieder gesund?


Angst und Bedrohung werden aus diesen Fragen deutlich. Und Therapeuten empfehlen, beides ganz konkret anzusprechen. Die Erfahrung zeigt, dass dort, wo über die Krankheit nicht geredet wird, wo Erwachsene gar versuchen, die Kinder zu „schonen“, Angst und Bedrohung größer werden.

Häufig ist die Rede davon, bei Kindern und Jugendlichen in dieser Situation gehe es um „Verlustängste“. Man darf dabei allerdings nicht übersehen, dass für betroffene Kinder der Verlust bereits eingetreten ist: Mama ist eben nicht mehr die jederzeit ansprechbare Familienmanagerin, Papa ist zu schwach für langwierige Diskussionen oder Schweiß treibende sportliche Betätigung. Kinder in Beratungsstellen berichten häufig, ihre Kindheit sei „mit der Diagnose zu Ende“ gewesen.

Konkrete Fragen erfordern konkrete Antworten
Von sich aus reden Kinder nicht gern über ihre Belastungen, häufig deshalb, weil sie den Eltern „nicht noch mehr Sorgen“ bereiten wollen. Wenn sie aber von Erwachsenen angesprochen werden, reagieren sie oft mit großer Erleichterung. Wenn es gelingt, in der Familie über Krankheit, Tod und Sterben altersgemäß zu reden, dann fühlen sich Kinder nicht ausgeschlossen und sind in der Lage, die Belastungen mit zu tragen.

Belastungen entstehen für Kinder krebskranker Eltern schließlich auch in anderen Bereichen, im Freundeskreis und in der Schule: „Was wissen meine Freunde?“ oder „Wie viel darf ich in der Schule erzählen?“ Fragen dieser Art bewegen die meisten Kinder. Geholfen ist ihnen mit möglichst konkreten Antworten.

Wo gibt es Unterstützung?
Die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod ist schon für Erwachsene schwierig genug, wie soll ich da mit meinen Kindern drüber reden können? Diese Frage mag plausibel klingen, die Antwort birgt allerdings weit weniger Dramatik als man annehmen möchte. Das offene, altersangemessene Gespräch fällt auch kleineren Kindern leichter als Erwachsene meist denken. Notwendig ist allerdings die Vorbereitung. Von den Kindern gestellte Fragen sollten Eltern möglichst konkret beantworten können.

Vielerorts gibt es mittlerweile auch Institutionen, die sich um Kinder krebskranker Eltern kümmern oder für Fragen der Eltern zur Verfügung stehen. Eine Zusammenstellung der im Internet vertretenen Organisationen finden Sie auf der Website des PraxisJournals, einer Zeitschrift für Krebspatienten von niedergelassenen Onkologen.

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