Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen

Rehabilitation

Onkologische Reha speziell für Krebspatienten

Eine Krebstherapie ist anstrengend und kostet in jeder Hinsicht viel Kraft und Energie. Nach Abschluss der sogenannten Akutbehandlung, das heißt nach einer Operation und/oder Strahlentherapie, haben gesetzlich versicherte Krebspatienten beziehungsweise erkrankte Angehörige von Versicherten deshalb Anspruch auf eine Rehabilitationsmaßnahme.

Stand der Information: September 2013

Krebspatienten benötigen eine individuelle Betreuung, damit sie sich von den Strapazen der Operation und/oder der Strahlentherapie erholen können. Die sogenannte onkologische Reha ist deshalb auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. Nach einem chirurgischen Eingriff an der Brust bemühen sich Physiotherapeuten während der Reha besonders um die Beweglichkeit der Arme und die Mobilisierung des Lymphabflusses; Hautschäden, die durch die Strahlentherapie entstanden sind, werden ebenfalls speziell behandelt. Und selbstverständlich gibt es während der onkologischen Reha Gelegenheit, mit Psychoonkologen gemeinsam die Bewältigung der Krankheit anzugehen.

Anspruch auf onkologische Reha ist zeitlich begrenzt
Grundsätzlich sind alle Rehabilitationsformen für Patienten reserviert, die später ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Die onkologische Reha jedoch kann als einzige Rehabilitationsart auch Patienten genehmigt werden, die bereits eine Alters- oder Erwerbsunfähigkeitsrente beziehen. Auch erkrankte, aber nicht versicherte Kinder von Versicherten oder Rentnern erhalten diese Reha, ebenso Stief- oder Pflegekinder sowie Enkel oder Geschwister von Versicherten, wenn sie – gegebenenfalls auch nur vorübergehend – im Haushalt des Versicherten leben oder von ihm versorgt werden.

Allerdings ist der Anspruch auf die onkologische Reha zeitlich begrenzt. Der Antrag muss spätestens ein Jahr nach Abschluss der Akutbehandlung gestellt werden. Bei schweren Einschränkungen kann diese Frist auch auf zwei Jahre verlängert werden.

Eine laufende Chemotherapie verlängert die Antragsfrist übrigens nicht zwangsläufig; denn  eine Chemotherapie kann gegebenenfalls in der jeweiligen Rehabilitationseinrichtung weitergeführt werden kann. Insgesamt ist die onkologische Rehabilitation für jeden ausreichend belastbaren Krebspatienten sehr zu empfehlen.

Medizinische Reha zur Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit
Ist die Frist zur Beantragung einer onkologischen Reha verstrichen, besteht prinzipiell die Möglichkeit, eine sogenannte medizinische Rehabilitationsmaßnahme zu beantragen. Eine solche Maßnahme wird allerdings nur dann bewilligt, wenn aus ärztlicher Sicht ein Reha-Aufenthalt die Gesundheit voraussichtlich wiederherstellen oder zumindest soweit stabilisieren kann, dass eine Berufstätigkeit möglich ist. Immer häufiger drängen offenbar Krankenkassen ihre Versicherten schon vergleichsweise kurz nach der Akutbehandlung zur Beantragung einer medizinischen Reha (siehe Kasten).

Wenn ein Antrag auf Reha abgelehnt wird, haben Versicherte vier Wochen Zeit, schriftlich Widerspruch einzulegen, der am besten durch ein ärztliches Gutachten medizinisch untermauert ist.

Wertvolle Unterstützung leisten bei diesem Widerspruch Fachleute in den Krebsberatungsstellen oder in den Beratungsstellen der großen Sozialverbände, beispielsweise dem SoVD oder dem VdK.

Zuständigkeiten klären die Träger unter sich
Die Voraussetzungen zur Genehmigung einer Rehabilitationsmaßnahme sind immer gleich: Der Patient muss in den zwei Jahren vor der Erkrankung mindestens sechs Monatsbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt oder die Mindestversicherungsdauer erreicht haben. Darüber hinaus muss der Patient ausreichend belastbar, im Fachjargon „rehafähig“ sein.

Voraussetzungen zur Durchführung einer onkologischen Rehabilitation
Persönliche Voraussetzungen:

  1. Diagnose Tumorerkrankung;
  2. Erstbehandlung (Operation und/oder Strahlentherapie) abgeschlossen;
  3. die durch die Erkrankung entstandenen körperlichen, seelischen, sozialen oder beruflichen Behinderungen sind positiv beeinflussbar;
  4. ausreichende Belastbarkeit für die onkologische Rehabilitation.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen, von denen eine erfüllt sein muss:

 

  1. Die allgemeine Wartezeit (= Mindestversicherungsdauer) ist erfüllt, das heißt mindestens 60 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen oder freiwilligen Beiträgen sind nachweisbar.
  2. In den letzten zwei Jahren vor dem Antrag sind für insgesamt sechs Kalendermonate (Pflicht-)Beiträge für eine versicherte Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit gezahlt worden.
  3. Innerhalb von zwei Jahren nach Ende einer Ausbildung ist eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit aufgenommen und bis zur Antragstellung ausgeübt worden. Das gilt auch, wenn der Patient nach Aufnahme dieser Beschäftigung, aber vor Antragstellung krank oder arbeitslos wurde.

Vordrucke für den Antrag auf die onkologische Reha sind direkt bei der Deutschen Rentenversicherung, bei den gesetzlichen Krankenkassen, den Versicherungsämtern, bei den Servicestellen für Rehabilitation und bei Versichertenberatern erhältlich. All diese Stellen sind beim Ausfüllen des Antrags auch gern behilflich. Um die Zuständigkeiten brauchen Sie als Patient sich nicht zu kümmern. Das klären die Träger unter sich.

Tipp
Die deutsche Rentenversicherung bietet auf ihrer Website www.deutsche-rentenversicherung.de unter „Broschüren“seit Mai 2013 ein Heft zur „Rehabilitation nach Tumorerkrankungen“ an.

Die Broschüre kann unter 0800 1000 4800 auch telefonisch angefordert werden.


Die Krankenkasse fordert auf zur Beantragung einer medizinischen Reha. Was ist zu tun?
Wenn Krankenkassen-Mitarbeiter mit Ihnen als Patient direkt Kontakt aufnehmen, um Sie zur Beantragung einer medizinischen Reha aufzufordern, sollten Sie hellhörig werden. Denn nach Paragraph 51 des Sozialgesetzbuches V kann die Krankenkasse, falls ein solcher Antrag binnen zehn Wochen nicht gestellt wird, die Krankengeldzahlungen einstellen. Hinter solchen Aktionen steckt immer häufiger der Versuch, Kosten auf andere Träger (in dem Fall auf die Rentenversicherung) abzuwälzen.

Unsere Bitte: Lassen Sie sich durch einen solchen Anruf nicht aus der Ruhe bringen. Die Krankenkasse hat zu einer solchen Aufforderung nur dann das Recht, wenn nach ärztlicher Einschätzung die Erwerbsfähigkeit bedroht ist. Wenn die Krankenkasse mit Ihnen diesbezüglich Kontakt aufgenommen hat, kann die Zehn-Wochen-Frist bereits beginnen. Sie benötigen dann eine individuelle Beratung, am besten in einer Krebsberatungsstelle oder in einer Beratungsstelle eines der großen Sozialverbände, beispielsweise beim Sozialverband Deutschland (www.sovd.de) oder beim Sozialverband VdK (www.vdk.de). Gemeinsam werden wir einen Weg finden, um Nachteile für Sie zu vermeiden.


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