Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen
Urlaub kann Rehabilitation nicht ersetzen

Urlaub kann Rehabilitation nicht ersetzen

Jede Krebstherapie ist anstrengend und kostet viel Kraft, körperlich und geistig. Kein Wunder, dass jede Patientin und jeder Patient das Ende der Behandlung herbeisehnt. Endlich wieder frei über seine Zeit verfügen und in Urlaub fahren, um sich von der langen Behandlung zu erholen – das ist ein verständlicher Wunsch. Für einen Teil der Patienten mag dies der richtige Weg sein, für viele andere würde es jedoch letztlich einen Umweg bedeuten.

Kurz gesagt, der Krebs ist besiegt oder zurückgedrängt, die Behandlung hat jedoch ihre Spuren an Körper und Seele hinterlassen. Diese werden häufig zunächst gar nicht bemerkt oder erfolgreich unterdrückt. Auf lange Sicht verhindert dies allerdings, dass das Leben in ruhigere Bahnen kommt und wieder genossen werden kann.

Viele Krebspatienten wollen alles, was sie an ihre Krankheit erinnert, nach Abschluss der Behandlung am liebsten vergessen. Auch der Gedanke an den Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik oder einem Sanatorium ist für sie beinahe unerträglich. Sie würden viel lieber einfach in Urlaub fahren. Ablenkung und neue Eindrücke erscheinen reizvoller als die Betreuung in einer Nachsorge-Einrichtung. Selbst wenn diese Argumentation nachvollziehbar erscheint, für die meisten Patienten ist der Verzicht auf eine angepasste Rehabilitationsmaßnahme keine befriedigende Lösung. Denn was eine Reha von der Behandlung, aber auch vom Urlaub unterscheidet, ist, dass man bei vielen Maßnahmen selbst aktiv werden muss. Letztlich bedeutet das, dass die so erzielten Fortschritte das Ergebnis der eigenen Anstrengung und Leistung sind. Das baut auf und vermittelt das Gefühl, ich kann selbst etwas Gutes für mich tun. 

Therapienachwirkungen

Abhängig von der individuellen Erkrankung und ihrer Behandlung leiden Krebspatienten unter sehr verschiedenen Nachwirkungen der Therapie. Das können Wasseransammlungen in Armen oder Beinen sein, Schwäche,  Müdigkeit oder Schmerzen, eingeschränkte Leistungsfähigkeit oder Behinderungen wie ein künstlicher Blasen- oder Darmausgang. Bei manchen Patienten sind die Nebenwirkungen eher psychischer Natur wie etwa Depressionen, Ängste oder ein vermindertes Selbstwertgefühl. Hier setzt die onkologische Rehabilitation ein. Studien haben klar gezeigt, dass die Teilnahme an einer Reha-Maßnahme das körperliche und seelische Befinden der meisten Krebspatienten deutlich und langfristig verbessert. Berufstätige Patienten erhalten außerdem Unterstützung zur erfolgreichen Rückkehr an ihren Arbeitsplatz.

Auf onkologische Rehabilitation spezialisierte Kliniken bieten neben psycho-onkologischer Betreuung verschiedenste Therapieformen an. Beispielsweise die sogenannte manuelle Lymphdrainage; mit dieser speziellen Massage lässt sich den gefürchteten Lymph-Ödemen – der Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe – wirksam vorbeugen. Auch aus bereits geschwollenen Armen kann ein erfahrener Masseur durch konsequente Behandlung die Lymphe quasi ausstreichen. Zu einer onkologischen Rehabilitation gehören außerdem eine individuelle Ernährungsberatung sowie verschiedene Angebote zur Bewältigung der Erkrankung, beispielsweise eine Kunst- oder Musiktherapie. Je nach Krebsart und den aus der Therapie möglicherweise resultierenden Beeinträchtigungen wird vor Ort gemeinsam mit dem Patienten das passende Programm zusammengestellt.

Fakten und Formales

Grundsätzlich steht jedem Krebspatienten nach der Akuttherapie eine stationäre Anschlussheilbehandlung (AHB) offen. Es müssen jedoch bestimmte versicherungsrechtliche und sozialmedizinische Voraussetzungen erfüllt sein. Der behandelnde Arzt muss die AHB beantragen, der jeweils zuständige Kostenträger diese im Voraus genehmigen. Leistungsträger sind bei gesetzlich Versicherten die Rentenversicherung oder die Krankenkasse. Bei privat Versicherten gilt der jeweilige Vertrag.

Zur Rehabilitation gehören neben den Anschlussheilbehandlungen (AHB) direkt nach der Therapie auch spätere Nachbehandlungen in spezialisierten Rehabilitationskliniken („Nachsorgekurkliniken“). Alternativ oder ergänzend gibt es eine ganze Reihe von ambulanten Angeboten.

Fragen rund um die Rehabilitation beantworten die jeweiligen Kostenträger. Ergänzend zu diesem Angebot existieren in vielen Städten die sogenannten Servicestellen REHA, die gemeinsam von Krankenkassen, Rentenversicherungen, der Bundesagentur für Arbeit, den Landkreisen und anderen Institutionen getragen werden. Sind verschiedene Rehabilitationsträger zuständig, koordiniert die Servicestelle die Zusammenarbeit dieser Träger. Außerdem helfen die Mitarbeiter bei der Antragstellung und stehen dem Krebspatienten unterstützend zur Seite.

Welche Servicestelle REHA dem Wohnort am nächsten liegt, kann man bei der Krankenkasse erfragen oder unter www.reha-servicestellen.de im Internet erfahren.

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