Hämatologische & Onkologische Praxis Stadthagen

Alternative Behandlungsverfahren ... wie stehen Sie dazu?

Wer an Krebs erkrankt ist, will naturgemäß keine Chance zur wirksamen Behandlung verpassen. Bis zu 80 Prozent aller Krebspatienten nutzen deshalb Substanzen und Verfahren aus der Alternativ- oder Komplementärmedizin – aber leider erzählt nur eine Minderheit ihrem behandelnden Arzt davon. Und deshalb haben wir Ihnen die aus unserer Sicht wichtigsten Fragen und Antworten hier zusammengestellt. Wenn Sie mehr wissen wollen, sprechen Sie uns einfach an.



Haben Sie als Schulmediziner Vorbehalte gegen über der Alternativ- oder Komplementärmedizin?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Zunächst einmal unterstützen wir alles, was unseren Patienten bei der Behandlung ihrer Erkrankung nutzt. Dieser Nutzen muss aus meiner Sicht zwar nicht immer im klassischen Sinn wissenschaftlich nachweisbar sein, aber der einzelne Patient sollte spüren, dass er davon profitiert. Sichergestellt sein muss vor allem, dass ein alternatives Präparat oder ein alternatives Verfahren keinen Schaden anrichtet und dass es den Patienten nicht wirtschaftlich ruiniert.

Heißt das, dass Sie zum Beispiel gegen einen zusätzlichen Heilversuch mittels Handauflegen nichts einzuwenden haben?

Solange der Handaufleger dafür nicht exorbitant hohe Honorare verlangt, ist das so. Denn wirklich schaden wird eine solche Behandlung sicher nicht. Wenn der Patient vom Handauflegen oder beispielsweise vom gemeinsamen Beten des Rosenkranzes oder vom Mantras Singen profitiert, dann ist dagegen nichts zu sagen. So etwas kann bei der Bewältigung von Angst und depressiven Verstimmungen durchaus nützlich sein.

Komplementär- oder Alternativmedizin umfassen ja eine Reihe ganz unterschiedlicher Verfahren. Sehen Sie einen Unterschied zwischen komplementär und alternativ?

Da ist derzeit sehr vieles in Bewegung. Für die einen ist Alternativ- oder Komplementärmedizin mehr oder weniger das Gleiche, andere dagegen machen große Unterschiede. In der Schweiz und mittlerweile auch in Deutschland gelten komplementäre Verfahren als Ergänzung zur Schulmedizin, alternative Verfahren dagegen – wie der Name schon sagt – als Ersatz für schulmedizinische Therapien. Bei solch alternativen Verfahren postulieren die jeweiligen Verfechter meist, dass sie heilend wirken, ohne nennenswerte Nebenwirkungen zu haben. Und wer kann schon widerstehen, wenn „natürliche, biologische, ganzheitliche Behandlungen von Körper, Geist und Seele“ Heilung versprechen.

Solchen Heilsversprechen sollte man also kritisch gegenüberstehen?

Immer wenn etwas heilende Wirkung verspricht, ohne Nebenwirkungen zu haben, ist Skepsis angebracht. Es gibt aber aus der Komplementärmedizin mittlerweile eine Reihe von Verfahren mit unterstützender Wirkung, die sehr wohl auch von Schulmedizinern angewandt oder zumindest empfohlen werden. Bei diesen Methoden geht es also nicht darum, die schulmedizinische Behandlung zu ersetzen, sondern alles zu tun, um deren Wirkung zu optimieren und ihre Nebenwirkungen erträglich zu machen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel angepasste Ernährung und Bewegung: Wenn Frauen mit Mammakarzinom täglich fünf Mal Obst oder Gemüse essen, ihren Fleischkonsum reduzieren und außerdem täglich etwa eine halbe Stunde Nordic Walking betreiben, dann sinkt ihr Risiko, an ihrem Mammakarzinom zu sterben im Mittel um etwa 50 Prozent. Ähnliche Daten gibt es auch für Darmkrebs- und Prostatakrebspatienten.

Aber ist das nicht eher eine Lebensstilanpassung als eine komplementäre Therapie?

Jede ergänzende Therapie bezieht sich idealerweise auf den ganzen Menschen: auf seine körperliche, psychische, soziale und spirituelle Dimension. Komplementäre Verfahren wie Meditation, Yoga, Qigong, autogenes Training, ayurvedische Massagen, Imaginationsverfahren, Akupunktur, aber auch Kräutermischungen oder eine Misteltherapie, sind dann am aussichtsreichsten, wenn sie eingebettet sind in einen insgesamt gesunden Lebensstil.

Wie reagieren Sie, wenn ein Patient ausschließlich mit komplementären oder alternativen Mitteln behandelt werden will?

Der Patient ist immer Herr des Verfahrens. Niemand kann zu einer bestimmten Behandlung gezwungen werden. Meine Aufgabe ist es in solchen Situationen, mit dem Patienten Vor- und Nachteile dieses Verhaltens zu besprechen und gegebenenfalls auf die sich daraus ergebenden Risiken hinzuweisen.

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